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Tag: Usability

Barcamp Mainz 09 – #bcmz – Mein Rückblick

by on Nov.29, 2009, under Computer

Mein Kollege hat mich nachdem er mir vom Heidelberger Barcamp erzählt hat auf das Mainzer Barcamp geschleppt – zumindest den Samstag konnten wir mitnehmen und an jeweils 6 Vorträgen teilnemhen. Es hat sich gelohnt.

Update: Hier gibt es eine Übersicht über einige der berichtenden Blogs direkt von der Barcamp Orga.

Update: Ralf von Carrot Business Solutions (Der vom Screencast-Vortrag) berichtet über seine Erfahrungen auf dem Barcamp.
Update: Noch ein Blogeintrag als Rückblick auf das Barcamp. Hier geht es vor allem um die Unterschiede zu anderen Barcamps.
Update: Noch ein geblogter Rückblick.
Update: Es gibt auch kritische Stimmen. Allerdings nur im Detail. Dieser Blogger bemängelt das Fehlen der Vorstellungsrunde. Dieser auch. Und eine Antwort darauf gibt es auch bereits.

Update: Hier noch ein netter Artikel der noch einmal erklärt was so ein BarCamp überhaupt ist und woher es kommt.

Ich habe mir nen Wolf getwittert, ein mögliches neues Thema für meine Magisterarbeit gefunden, ein cooles Projekt kennen gelernt, dass einem die Informationsflut filtert, gelernt wie Garbage Collection unter Java funktioniert (und funktionieren wird), Dinge über Schwärme gelernt, und was von JavaFX gehört. Aber der Reihe nach…

Wo war ich? Auf dem Barcamp in Mainz.
Was ist das? Eine Konferenz, bei der die Teilnehmer Themen vorbereiten, vorschlagen und dann abgestimmt wird was gehört wird.
Und sonst? Es gibt Kaffee, Frühstück, Mittagessen, Kuchen, Getränke, T-Shirts und Werbegeschenke.
Was kostet das? Nix.
Wie finanziert sich das ganze? Sponsoren geben viel Geld, damit Ihre Namen dort stehen und sie schicken selbst Teilnehmer mit Vorträgen.
Also nur Werbung? Nein, aber man sollte die Vorträge zu Sponsorenthemen schon kritisch hinterfragen. Die sind aber auch informativ.

Die Idee ist so simpel wie genial – hol Dir die Teilnehmer, lass Sie die Arbeit für die Themen machen und das Programm bestimmen – auf dich kommt ein Haufen Organisationsarbeit zu, aber niemand kann sich über schlechte Themen beschweren, hätte er ja selbst ändern können. Dementsprechend motiviert sind dann die einzelnen Teilnehmer auch: Es gab viele Themenvorschläge und 30 davon konnten angenommen werden (es standen jeweils 3 Vorlesungssähle und 2 Seminarräume bei 6 Vortragszeiten zur Verfügung). Die Sessions sind 45 Minuten lang, sollten aus 30 Minuten Vortrag und 15 Minuten Diskussion bestehen und nicht mehr als 5 Minuten überziehen.
Die Teilnehmer waren auch durchweg motiviert und man hatte keine Probleme einfach mal mit wildfremden Leuten ein Gespräch anzufangen – “Du” hießen sowieso alle.
Mein Programm am Samstag sah dann so aus:

05:00 Aufstehen, duschen.
05:45 Ralf anrufen, wo er bleibt, ihn dabei wecken…
06:00 An der Bushaltestelle warten, feststellen, dass weder Bus noch Bahn jetzt noch pünktlich am Hbf wären.
06:30 Doch das Auto nehmen.
08:00 Ankunft in Mainz. Schlecht geparkt – 20min Fußweg zum Camp, dabei verlaufen…
08:40 Endlich. Barcamp.
09:00 Kostenloses Frühstück.
09:30 Sessionauswahl (Vorstellung und Abstimmung).
11:00 Vortrag: Wie kann man Usability im Web (automatisch) messen?
12:00 Vortrag: Einführung in JavaFX
13:00 Mittagspause
14:00 Vortrag: Garbage Collection Algorithmen
15:00 Vortrag: Das Schwarm Projektmanagement
16:15 Vortrag: Der Kampf um Aufmerksamkeit – ein Vorschlag für persönlich relevante Nachrichten (relevanZer)
17:15 Vortrag: Rapid Prototyping mit jQuery
18:30 Ende. Party machen wir nicht mehr mit. Abfahrt nach Heidelberg.

Die Vorträge haben mir einiges gebracht, allein den Stichworten die ich mir auf Karteikarten geschrieben habe hinterher zu googeln wird mich Wochen kosten – ganz zu schweigen davon das auch noch auszuprobieren.

Wie kann man Usability im Web (automatisch) messen?

Der Vortrag von einem Mainzer Informatiker wurde von ihm schon als akademisch angekündigt und obwohl es mich interessiert, habe ich mir nicht allzu viele Hoffungen auf einen wirklich interessanten Beitrag gemacht. Ich sollte überrascht werden – nicht nur war der Vortrag kurzweilig er enthielt vor allem das für mich als Sprachwissenschaftler äußerst interessante Thema automatische Textanalyse und stellte zudem noch ein paar einfache theoretische Möglichkeiten zur Verbesserung der Webseitenusability vor. Einer der beiden Vorträge bei dem ich mir wirklich viele Notizen gemacht habe. – tweet

Einführung in JavaFX

Wie der “Sunday” vor ein paar jahren in Aachen eini wirkliche Zeitverschwendung. Viele marketingfolien und ein paar Hello-World Codebeispiele. Dazu kam noch, dass mir das Konzept der auf Java aufgesetzten, pseudo-typfreihen Sprache mit eigener Syntax so gar nciht gefällt. Irgendwie scheint es Sun jedesmal zu schaffen mich mit seinen “Evangelists” davon zu überzeugen, dass sie die falsche Firma sind um ein so geniales Konzept wie Java zu tragen. Meinem Unmut habe ich dann per Twitter Luft gemacht.

Garbage Collection Algorithmen

Auch ein Java-Thema, aber mit deutlich interessanterem Vortrag. Diesmal auch nicht von einem Evangelist, sondern einem Mannheimer Informatikstudenten der mir und 4 weiteren Teilnehmern (und dem anwesenden Sun-Vertreter) die Arbeitsweise eines Garbage-Collectors erklärte und dabei auf die spezifische Implementierung in der JVM in derzeitigen und der kommenden 7er-Version einging. Der Sun-Mann der hier neben mir saß war, nebenbei bemerkt, nicht der JavaFX-Vortragende, sondern dessen Kollege. Er wirkte deutlich arroganter, dafür aber auch kompetenter – damit kann ich besser leben. Durch die geringe Teilnehmerzahl wurde diese Session quasi zu einer intensiven Frage-Stunde in der sowohl der Vortragende auf spezifische Rückfragen einging, als auch nähere Erläuterungen vom Herstellervertreter kamen. Bei dieser Session hatte ich gar keine Möglichkeit mitzuschreiben, dafür war es zu intensiv. Bisher hatte ich mich nicht damit auseinandergesetzt was der GC tatsächlich im Speicher anstellt, sondern ihn einfach benutzt (bzw. mich auf ihn verlassen) – jetzt habe ich immerhin ein besseres Gefühl dabei. – Nebenbei habe ich gelernt wofür der Name des ersten T-Mobile-Android Handys G1 steht – augenscheinlich für “Garbage First”. 😉 – tweet

Das Schwarm Projektmanagement

Nagut, ich habe nicht wirklich geglaubt, dass ich hier in 45 Minuten viel über Projektmanagement lerne, aber zumindest ein paar Hinweise worauf in großen Projekten zu achten ist oder ähnliches hätte ich nett gefunden. Leider wurde mir erst nach mehreren Minuten Vortrag klar, dass es sich beim Vortragenden um den Vertreter des Hauptsponsors (Samsung) handelte… Der erzählte dann munter drauf los von einem Pharao der eine Pyramide bauen ließ und dass das ja tolles Projektmanagement war, von den Problemen, Motivationsmöglichkeiten und zeigte uns so fast eine halbe Stunde lang Bildchen.  Danach kam er dann zu seiner Erzählung über das Samsung-Team, dass er als Projektleiter managed und damit zum eigentlichen Thema des Vortrags. Nur leider war das ganze dann eigentlich eher eine Erzählung darüber wie er als Zuschauer seinen vollkommen frei arbeitenden Mitarbeitern zuguckt und hin und wieder etwas twittert – wenn es hoch kommt also ein (closed) Community Manager Posten, aber leider nichts wirklich sinnvolles über Projektmanagement. Die zweifel waren dem Publikum anzumerken, die Aussagen des Vortragenden wurden attakiert und seine Position komplett in Frage gestellt. Was fehlte war die klare Aussage, dass ein Schwarm sich eben nicht wirklich managen lässt – für den kreativen Prozess im Team mag eine Schwarmstruktur ein grandioses Konzept sein, aber leider eigenen sich wohl 90% aller “real-world” Projekte nicht oder nur zu einem ganz kleinen Teil für eine solche Vorgehensweise. – tweet

Der Kampf um Aufmerksamkeit – ein Vorschlag für persönlich relevante Nachrichten

Den Vortragenden hatte ich bereits beim Frühstück getroffen und er hatte mir schon einmal grob das Konzept seiner Idee erklärt – mir war also vollkommen klar, dass dieser Vortrag nicht langweilig werden würde. Perfekt präsentiert mit Prezi und einem souveränen Vortragsstil (den Vortrag hat er bestimmt vor dem Spiegel geübt) wurde das Problem der Informationsüberflutung bei intensiver Nutzung von Social Networks und Twitter dargestellt und bisherige Lösungsansätze (Rating-Systeme) vorgestellt. Das Problem: Wenn man 300 RSS-Feeds abboniert hat und noch einmal 200 Leuten auf Twitter folgt, hat man nun einmal das Problem nicht alles lesen zu können und muss eine Vorauswahl treffen. Bisherige Systeme machen das über ein allgemeines Rating-System (z.B. je öfter ein Artikel in Twitter erwähnt wird, desto besser muss er wohl sein) bei dem man sich also quasi die Mainstream-Meinung zeigen lassen kann. Das nahm dann auch den ersten Teil des Vortrags ein. Das in diesem Vortrag vorgestellte neue System benutzt hingegen ein trainierbares Tagging-System, dass die RSS-Feeds und Twitter-Nachrichten des Benutzers automatisiert auswertet und über eine Textanalyse herausfindet, welche Beiträge den Benutzer am wahrscheinlichsten interessieren. Noch ist das System namens relevanZer (nein, hat nichts mit der Wikipedia-Debatte zu tun, auch wenn das von Teilnehmern vorgeschlagen wurde) im geschlossenen Betatest auf dem “Stromsparrechner” des Erfinders, er wird jedoch Zugänge an interessierte Teilnehmer verteilen. Ich hätte ja auch gerne einen, aber wahrscheinlich hätte ich in den nächsten Monaten nicht genügend Zeit um das System wirklich intensiv zu testen – aber ich werde es definitiv im Auge behalten, da ist Potential.

Rapid Prototyping mit jQuery

Zum Ende zeigte dann Paul Bakaus noch wie, warum und was man so alles schnell und beeindruckend mit jQuery machen kann und wieso es auch als Webentwickler nicht schadet herumzuspielen und neues auszuprobieren. Interessant fand ich vor allem seine Philosophie hinter dem prototyping nämlich, dass es überhaupt nicht darauf ankommt ob etwas funktioniert, sondern auf die Illusion; quasi die Anwedung der vollen psychologischen Trickkiste des Interface-Designs auf den Kunden. Zwar hagelte es nach seinem sehr lockeren und unterhaltsamen Vortrag mit dem “Greasemoneky” (sic) konstruktive Kritik aus dem Publikum, doch der Vortrag wurde – so mein Eindruck – durchweg positiv aufgenommen. Auch wenn er für meinen Geschmack das Wort “Millionenauftrag” deutlich zu oft verwendet hat. Man hatte zumindest das Gefühl, dass der Mann weiß wovon er spricht und nicht einfach nur leeres Marketinggeblubber aneinander reiht – außerdem haben sein Vortragsstil und die beeindruckenden Webkit/CSS3-Beispiele durchaus dazu beigetragen die Lust am experimentellen Designen wieder zu wecken. Bei diesem Vortrag habe ich mir eine meiner Notizseiten randvoll mit Stichworten geschriebenm die es nun alle zu googlen gilt. – tweet

Fazit

Das Barcamp war eine grandiose Erfahrung: Die Organisation war klasse, die Teilnehmer absolut motiviert und offen und die Themen waren äußerst interessant. Vor allem dafür, dass die Teilnahmekosten gerade einmal die Anreise umfassten war das eine unschlagbare Erfahrung für mich. Ich werde – sofern ich einen Platz bekomme -beim nächsten mal wieder dabei sein. Das Barcamp selbst ist natürlich auch mit einem Twitter-Account am Start, damit man keine Neuigkeit verpasst.

Ich wünsche allen Teilnehmern die auch am Sonntag dabei sein können einen Tag der dem heutigen in nichts nachsteht.

(Da es schon spät ist, werde ich jetzt nicht noch einmal drüber lesen – wer Fehler findet darf sie behalten – ich bessere die dann vielleicht morgen aus… gute Nacht.)

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