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Tag: site-stalking

Site-Stalking

by on May.09, 2011, under Freizeit

Schon einmal in einer fremden Stadt gewesen? Ohne Stadtplan, MobileWeb, Wikitravel, Vorbereitung? Für manche Menschen ist das angeblich ein Albtraum – so ganz alleine in einer neuen Umgebung mit Dingen die man noch nicht kennt. Für alle die, die nicht in der Lage sind einfach drauf los zu rennen und von selbst etwas zu finden gibt es nun Site-Stalking! Der Name ist zugegebenermaßen noch nicht etabliert, was daran liegen könnte, dass ich ihn mir ausgedacht habe, aber das kommt sicher noch – vielleicht schaffe ich es ja sogar irgendwann einen Wikipedia-Eintrag zu fälschen. 😉

Die Basis-Theorie: Interessante Menschen gehen an interessanten Orten vorbei.

Die Thesen:

  • Menschen gehen täglich durch ihre Stadt und haben dafür normalerweise einen Weg, den sie immer wieder wählen.
  • In den meisten Städten gibt es viele Unterschiedliche Wege, von A nach B die sich bezüglich Distanz und Dauer nur marginal unterscheiden.
  • Menschen wählen im Zweifelsfall auch regelmäßig einen kleinen Umweg, wenn er sie an interessanten Orten vorbei führt.
  • Man kann von der Optik eines Menschen auf dessen Persönlichkeit schließen.

Diese vier Thesen sind Vorurteile und keine wissenschaftlichen Thesen, aber rein statistisch scheinen sie zuzutreffen. Das ist übrigens ein ganz zentraler Punkt des Konzepts – man erhöht die Wahrscheinlichkeit einen interessanten Ort zu sehen, nicht mehr.

Was man nun also tut, ist sich jemanden aus der Menschenmenge herauszusuchen, der interessant aussieht – als wir unser Konzept zum ersten Mal getestet haben, war dies ein relativ junges Paar in Mannheim; er sah aus wie ein Metalhead und sie wie eine Mischung aus Punk und Goth. Unsere Erwartungshaltung war es, dass sie uns vielleicht an einem alternativen Musikladen vorbeiführen. Das hat zwar nicht geklappt, aber der Comic- und Rollenspiel-Laden an dem wir nach 5 Minuten ankamen war noch besser.

Der zweite Test war in NYC, dort gab es zwar auch so alle 50m genug zu sehen wenn man einfach nur geradeaus ging, aber an diesem Morgen waren wir planlos. Irgendwo kam ein Mädel mit blauen Haaren und einem undefinierbaren T-Shirt mit einer Comicigur (keine Ahnung was das war) an uns vorbei – nach 15 Minuten Verfolgung betrat sie einen japanischen Laden. Dieser Laden war riesig. Ich bin wirklich kein Freund von diesem ganzen Manga- und Anime-Unfug, aber der riesige Plüsch-Totoro und die Monster-USB-Sticks waren mir dann doch sympathisch. Auf drei Etagen gab es dort wirklich fast alles von der anderen Seite des Globus – mit echter NTT-Docomo-Filiale im Keller.

Site-Stalking ist seitdem ein fester Bestandteil unserer Ausflüge, man sollte allerdings ein paar Regeln beachten:

  1. Niemals länger als 20 Minuten die selbe Person verfolgen.
    Erstens wird es irgendwann langweilig und zweitens will man die Leute ja auch nicht belästigen.
  2. Wenn die Person einen skeptisch anschaut oder so aussieht als würde sie sich verfolgt vorkommen – Abbrechen.
    Wir wollen ja nicht wirklich stalken. Die Person ist Mittel zum Zweck und wir nehmen uns quasi eine Dienstleistung von ihr ohne, dass sie es weiß – das mindeste was man da tun kann ist zu versuchen den- oder diejenige nicht zu nerven.
  3. Nicht auf “etwas besseres” warten.
    Wenn man einen Ort sieht der interessant ist : Verfolgung abbrechen, Ort genießen. Die Erwartungshaltung, dass eine Person bestimmt an einem noch interessanteren Ort vorbeikommt macht die Stimmung au Dauer kaputt.
  4. Such auch Leute aus, die anders sind als Du.
    Es ist unglaublich wie viel Überschneidungen es mit Menschen gibt, die Aussehen als würdest du Sie nach 5 Minuten Gespräch hassen. Zwar ist es nicht sonderlich wahrscheinlich, dass dich ein hochgestyltes Mode-Püppchen an einem nerdigen Elektroladen vorbeiführt, aber es ist weder ausgeschlossen, noch sicher, dass sie nicht an etwas vorbeigeht, dass aus ganz anderen Gründen interessant für Dich ist.
  5. Site-Stalking nur tagsüber bzw. in viel besuchten Orten.
    Je weniger Menschen in der Umgebung, desto eher fällt man auf und desto eher kommt sich der Verfolgte verfolgt vor.

Ich hoffe es klappt beim potentiellen Leser dieses Artikels genauso gut wie bei uns. Ich übernehme keinerlei Haftung für blutige Nasen wenn man irgendwem zu lange und zu auffällig folgt. 😉

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